Länger, schneller, besser, mehr: der Wettkampf im Job

Der Druck auf Manager und Angestellte wird immer größer. Problematik und Häufigkeit von Burnout-Erkrankungen sind zunehmend ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Eine weitere Auswirkung von Leistungsdruck und Konkurrenzkampf aber stellt zunehmend das "Büro-Doping" dar:


Der Deutsche Gesundheitsbericht von 2009, in dem aktuelle Gesundheitsdaten statistisch erhoben werden, stellt eine besorgniserregende Zunahme von Medikamentenmissbrauch unter gestressten Berufstätigen fest. Wenn der Bürokaffee nicht mehr ausreicht, um die geforderten (oder auch nur für notwendig erachteten) Leistungen zu erbringen, greifen immer mehr Menschen zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, um die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Zuerst nur für das eine bevorstehende Projekt, das gerade so wichtig ist. Dann immer häufiger, um dem hektischen Berufsalltag gerecht werden zu können. Oder auch, um schneller oder länger arbeiten zu können als der Kollege, damit in Krisenzeiten der Arbeitsplatz gesichert bleibt.

Die Folgen:
Amphetamine, Antidepressiva und andere Substanzen, aber auch Hormonpräparate, die in das empfindliche chemische Gleichgewicht des Körpers eingreifen, mögen in der momentanen Situation wünschenswert wirken. Sie wirken aber auch noch darüber hinaus; und die Folgen sind nicht leicht zu beheben.

Dr. Bernd Hufnagl, Spezialist für Burnoutprävention, hat durch unzählige vertrauliche Gespräche mit Mitarbeitern im Rahmen von Gesundheitsmanagementprojekten viel Erfahrung mit diesem Thema:
Dem Leistungsdruck, unter dem Angestellte stehen, wird oft mit Doping begegnet; und das ist durchaus verständlich und nachvollziehbar: im Job geht es immerhin um die Existenz.
Wer Kopfweh hat, nimmt Aspirin; wer müde ist, trinkt Kaffee. Das tun wir alle. Für viele Menschen, die täglich hohe Leistungen erbringen müssen, ist die Inanspruchnahme einer leistungsfördernden "Hilfe" nahe liegend.

Leider ist, wie man ja auch im Spitzensport beobachten kann, die Leistungsfähigkeit eines Menschen nicht ins Unendliche steigerbar. Wer zu lange Zeit auf höchster Drehzahl rotiert, läuft Gefahr, zu überhitzen. Der folgende Absturz ist für die Betroffenen katastrophal, und nicht selten existenzbedrohlich.

Wie viel Stress ist für den Menschen "artgerecht" verträglich?
Wie können wir es schaffen, die innere Einstellung und damit die eigene Bewertung dessen, ob eine Belastung als negativ empfunden wird, in Einklang mit dem Leistungsdruck zu bringen, dem wir alle in unserem Arbeitsalltag ständig ausgesetzt sind?

Dr. Hufnagl rät: „Wir müssen dem verständlichen inneren Reflex widerstehen, einen spürbaren Leistungsverlust durch kurzfristige Interventionen – in Form von chemischen Hilfen - abzufangen. Das beginnt mit Kaffee als Aufputschmittel am Arbeitsplatz und Alkohol als Beruhigungsmittel am Abend. Krankheiten, und die damit verbundenen körperlichen Einschränkungen, werden ignoriert und mit Aspirin und Co. verdrängt.
Der erste wichtige Schritt zur Prävention wäre, dass wir die eigenen Leistungsgrenzen und Befindlichkeiten erkennen und dann auch akzeptieren. Die einzig richtige Reaktion besteht darin, die notwendigen Erholungsphasen einzuhalten, anstatt dem Drang nach Kompensation des Leistungsverlusts durch vermehrten (zeitlichen) Einsatz zu begegnen. Kurze Erholungsphasen von vier mal fünf Minuten pro Arbeitstag reichen oft schon aus, um die Konzentrationsfähigkeit zu erhalten.
Neben der Schulung kritischer Selbstbeobachtung können wir mittels EKG-Analyse in Form eines 24-Stunden-Screenings ziemlich genau feststellen, ob die wichtige Regenerationsfähigkeit noch gegeben ist. –Die individuellen Belastungsgrenzen sind ja äußerst unterschiedlich; Genauso wie sie auch trainier- und veränderbar sind.
Eine genaue Stress-Anamnese mithilfe eines psychologisch geschulten Coachs kann den Patienten schließlich auf die „richtige Spur“ bringen. Viele wissen auch eigentlich selbst ganz genau, wo ihre „Alltags-Stressoren“ liegen."

Macht den richtigen Umgang mit dem Stress erst möglich: die Erholung!
"Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass sich die eigene Erholungsfähigkeit auf Top-Niveau befindet, damit der Stress in Zeiten höchster Arbeitsbelastung auf gesunde Weise abgebaut werden kann. Möglich ist ein solches Training der Regenerationsfähigkeit durch gezielte Atem- und Konzentrationsübungen, und natürlich durch regelmäßige Bewegung!"

Außerdem sollte man sich seinen Alltag so einrichten, dass zusätzliche Risikoparameter vermieden werden: Fehlernährung, Bewegungsmangel, oder auch zu wenige soziale Kontakte sind dazu angetan, die negativen Auswirkungen einer Stressbelastung noch zu verstärken.


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